Sonntag, 20.10.2013

MAROKKO - "Wir sind tatsächlich in Afrika...!"

Freitag, 11.Oktober

Unser Reisebus verlässt mit typisch spanischer Verspätung am Freitag Morgen den Plaza de Cuba in Sevilla und macht sich auf den Weg zum südlichsten Punkt Europas - Gibraltar. Doch bevor wir über die Grenze von Spanien in das Klein-England dürfen, müssen wir zunächst durch die Passkontrolle. Ja, richtig gelesen, englisches Territorium! Gibraltar ist seit 1830 eine englische Kronkolonie und somit ein britisches Überseegebiet. Während wir durch die Straßen Gibraltars laufen, erkennen wir den btitannischen Einfluss vor allem an den englischen Straßenschildern, an unserem Guide, der starkes British English spricht und an den großzügig in der Stadt verteilten Flaggen des Vereinten Königreichs. Aber zu unserer Enttäuschung fährt niemand links.

Nach einer kurzen und lustigen Stadtrundfahrt in einem klapprigen Minibus, erreichen wir  zunächst den berühmten Aussichtspunkt. Von dort aus kann man schon den Kontinent Afrika erkennen und auch die Stelle, an der sich das Meer geographisch gesehen aufteilt - links Mittelmeer, rechts Atlantik. Ich wage mir kaum vorzustellen, wie immer und immer wieder sich hunderte von Afrikanern in ein viel zu kleines Boot setzen, um nach Europa fliehen zu können.

Unsere holprige Stadtrundfahrt geht weiter auf den Fels von Gibraltar um eine Tropfsteinhöhle zu besichtigen, um die sich wie erwartet viele Berberaffen tummeln. Wie schon in Sri Lanka überrascht mich, wie sehr sie doch den Menschen ähneln.

Wir fahren für einen kurzen Aufenthalt auf einem typischen Touristenplatz, wo wir tatsächlich auch Fish & Chips bekommen könnten. Wir wundern uns über ein überfülltes Geschäft, bis klar wird, dass hier viele nochmal schnell Alkohol einkaufen, bevor es über die Grenze ins muslimische Marokko geht. Von Gibraltar aus geht's weiter nach Algeciras, wo wir mit der Fähre nach Afrika fahren. Von einer Fähre kann man allerdings nicht reden, es gleicht von außen eher einem Kreuzfahrtschiff und von innen einem riesigen Flugzeug.

Doch obwohl diese Fähre größer ist als erwartet, schaukelt es doch ziemlich. Eine Stunde später sind wir in einer anderen Welt.

Obwohl wir im spanischen Ceuta anlegen, merkt man den arabischen Einfluss. Ceuta ist seit dem 15. Jahrhundert in spanischem Besitz und ist somit noch ein "Bundesland" Spaniens, was wir durch europäische Supermärkte (Lidl) und spanischsprachigen Werbeplakate erkennen. Doch schon hier lernen wir die andere Kultur kennen. Frauen mit Kopftücher und langen Kleidern, manche Männer mit weißen Gewändern und Takke , einer Gebetsmütze. Als wir an der Grenze eine halbe Stunde warten müssen, bis all unsere Pässe und Einreisepapiere kontrolliert worden sind, werden wir mehrfach ausdrücklich gebeten keine Fotos von den vorbeilaufenden Menschen zu machen. Wir bekommen unsere Pässe wieder und denken, dass wir die Einreise überstanden haben, aber so einfach geht es dann doch nicht. Ein Polizist kommt in unseren Bus und kontrolliert nochmal alle Ausweise – wir sind von den starken Kontrollen beeindruckt und eingeschüchtert. Doch schließlich schaffen wir es zu unserem ersten Hotel in der Nähe von Tetuán.

 

Samstag, 12.Oktober

Heute beginnt die wirkliche Reise in Marokko. Früh am Morgen geht es los in Richtung Chefchaouen, etwa eine Autostunde von Tetuán entfernt. Unsere Fahrt ist ziemlich kurvenreich und steil - wir fahren ins Rifgebirge.

Unser Guide Abdul erklärt uns, dass man in einem Tag die heißesten und kältesten Gebiete Marokkos erleben kann - vom dem Rifgebirge bis zur Sahara Wüste. Wir kommen in Chefchaouen an und machen uns auf den Weg zu dem Stadtteil Medina.

Die meisten arabischen Städte teilen sich in drei Stadtviertel auf. Einem aktuellen modernen Teil, ein 50 bis 60 Jahre altes Viertel und die Altstadt, die Medina. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, sind alle Häuser in weiß und/oder hellblau gestrichen.

Das gibt der ganzen Altstadt nicht nur eine tolle Atmosphäre, sondern hat auch noch einen praktischen Sinn: Weiße Häuser heizen sich nicht so schnell auf und durch das Blau verhindert man Moskitos, sagt uns Abdul.

Und tatsächlich ist es ziemlich kühl in den engen Gassen. Es ist überraschend wenig los, aber wir sind ja auch früh dran - außerdem ist Marokko eine Stunde hinter spanischer Zeit. Doch irgendwann kommen wir in Gassen, in denen Markttreiben herrscht.

Natürlich sind alle auf Touristen eingestellt – Angebotsschilder auf Spanisch oder Englisch, die Verkäufer sprechen manchmal sogar Deutsch. Natürlich habe ich mir auch einige Sachen gekauft. Ein Paar typischer marokkanischer Schuhe, die die Frauen unter ihren langen Gewändern tragen, marokkanischer Tee, marokkkanisches Haaröl und ganz viele Gewürze!

Nach dieser kleinen Shoppingtour machen wir es uns in einem kleinen Café gemütlich und trinken – was auch sonst – marokkanischen Tee. Das ist Schwarztee mit Minze und ganz ganz viel Zucker. Wir genießen die günstigen Preise – ein Tee für etwa 80 Cent!

In Marokko wird mit Dirham gehandelt, ein Euro sind etwa 10 Dirham.

Leider haben wir nur ein Wochenende Zeit, gleichzeitig will uns unser Guide aber natürlich soviel wie möglich zeigen. Deswegen geht es nach Chefchaouchen gleich weiter nach Tetuán.

Unser erster Weg führt uns auch wieder direkt in die Medina. Ich merke schon gleich, dass hier deutlich mehr los ist als in Chefchaouchen. Zum einen liegt dies daran, dass Tetuán deutlich mehr Einwohner hat, zum anderen aber auch daran, dass heute Markt ist. Wie uns zuvor schon angekündigt wurde, wird unsere Gruppe neben unserem spanischen Guide und dem marokkanischen Guide Abdul von einem weiteren Mann begleitet – vermutlich von einer Art Touristenpolizeit, die sich darum kümmert, dass nichts schief läuft. Es ist wirklich beeindruckend, was wir alles auf dem Markt zu sehen bekommen. Es gibt einfach alles zu kaufen. Von ganz „normalem“ Obst und Gemüse über Schmuck, Handys, Küchengeräte oder auch lebende (und tote) Hühner. Nicht selten laufen ein paar Schafe, Esel oder Hühner an uns vorbei. Am liebsten möchte man einfach nur stehen bleiben und sich von den vielen Eindrücken berieseln lassen.

Abdul führt uns zu einem Stand, an welchem mehrere Frauen Tücher verkaufen. Er erklärt uns, dass sich die Arbeiterfrauen mit diesen Tüchern einkleiden und so ihre Arbeit auf dem Feld verrichten. Natürlich sucht er mich aus, um mich von einer wirklich netten älteren Frau zu einer muslimischen Arbeiterfrau umkleiden zu lassen. Und so ist das folgende Bild entstanden:

Auf der einen Seite fühlt sich das beruhigend an. Egal ob man heute die perfekte Frisur hat oder nicht. Egal ob das T-Shirt, das man trägt, „cool“ ist oder nicht – die anderen können es nicht sehen und es sehen ja eh alle gleich aus. Aber auf der anderen Seite fühlt es sich komisch an. Man ist absolut anonym und kann nur an den Augen erkannt werden. Keine Möglichkeit sich über seinen Kleiderstil auszudrücken und sich als jemand einzigartiges zu fühlen. Wie schon gesagt: alle sehen gleich aus. Für mich ist das auf jeden Fall nichts, so versteckt unter mehreren Tüchern. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nachdem wir noch ein wenig Freizeit haben, um auf eigene Faust durch die Gassen zu schlendern (keiner traut sich aber mehr als 3 Gassen vom Guide zu verschwinden, aus Angst sich zu verirren), geht es mit dem Bus wieder in Richtung Hotel, denn dort steht das arabische Abendessen mit Unterhaltungsshow an.

Auf dem Weg dorthin erzählt uns Abdul stolz, dass er drei Ehefrauen habe. Da tut mein kleines Feministinnenherz schon etwas weh. Soweit ich erfahren konnte, ist seit 2004 in Marokko Polygamie zwar verboten und die Rechte der Frauen wurden verbessert, anscheinend gibt es jedoch tausende von Ausnahmeregelungen. Aber das ist ein ganz anderes Thema, über das ich mich zum einen stunden – bzw. seitenlang auslassen könnte, zum anderen sollten man mit persönlichen Meinungen zu diesem Thema im Internet eher vorsichtig sein.

Im Hotel gab es dann wie bereits erwähnt das arabische Abendessen mit Show. Arabischer Salat mit Tomate und Gurke mit Minze, Hähnchen in Curry und Couscous, zum Abschluss Tee. Zwischendurch gab es eine Tanzeinlage von einer Bauchtänzerin, Akrobatik von einem sehr jungen Geschwisterpaar und einem Mann, der über Scherben läuft. Das letzte hätte aber wirklich nicht sein müssen Lachend

 

Sonntag, 13.Oktober 2013

Leider ist schon unser letzter Tag in Marokko angebrochen. Doch heute wartet noch ein letztes Highlight auf uns – wir dürfen auf einem Dromedar reiten. 

Danach geht es noch weiter zur Herkulesgrotte. Kaum zu glauben, dass diese Grotte vom Meer selbst produziert worden ist. Vor tausenden von Jahren sollen dort auch Menschen gewohnt haben.

 Und dann geht es schon wieder nach Ceuta, um mit der Fähre zurück nach Europa zu fahren.

 

Das Wochenende ging natürlich viel zu schnell vorbei und es gibt noch soviel in Marokko zu sehen und zu entdecken. Für mich als blondes junges Mädchen war es die beste Entscheidung mit einer organisierten und größeren Gruppe nach Marokko  zu gehen, denn ganz ungefährlich ist es dann doch nicht. Aber ich werde auf jeden Fall nach Marokko zurückkehren und mir so gut wie möglich einen Eindruck abseits der Touristenattraktionen zu machen. Es ist absolut eine Reise wert!

Montag, 14.10.2013

Von Córdoba, Almodóvar und Arbeitslosigkeit...

Seit dem letzten Bericht ist einige Zeit vergangen, in der ich wieder viel erlebt habe. Zum einen natürlich zwei Wochen hier in Sevilla mit einer Wochenendreise nach Córdoba, zum anderen meine Reise nach Marokko vergangenes Wochenende.

 

Momentan findet in Sevilla das „Festival de las Naciones“ statt. Ein internationales Festival mit vielen Essensständen, an denen man typische Gerichte aus aller Welt bekommen kann. Um zu feiern, dass wir in unserer WG endlich Internet haben, gingen meine drei Mitbewohner und ich dorthin. Empanada in Venezuela, Crêpe in Frankreich und Mojito in Cuba – abgerundet mit einer Flamenco-Show aus Andalusien.

 

Am Wochenende fuhr ich zu Hannah nach Córdoba. Ich hatte sie an meinem zweiten Tag in Sevilla kennengelernt, da sie eine Freundin von Nathan aus Ohio ist. Sie bleibt in Córdoba für 9 Monate, um dort Englisch zu unterrichten. Englische Muttersprachler sind in Spanien ziemlich begehrt, denn alle wollen lernen, richtig Englisch zu sprechen, was angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von Jugendlichen eine ganz gute Idee ist.

Wie die meisten Städte in Spanien verfügt auch Sevilla über gute Verbindungen mit Reisebussen in andere Städte. Nach etwa zwei Stunden Fahrt war ich im 140 Kilometer entfernten Córdoba angekommen. Hannah und ich gingen in einer Tapasbar essen, in der die Tradition der Tapas noch gelebt wird: Zu jedem bestellten Getränk bekommt man ein Tapa umsonst dazu. Wer wissen möchte, warum das so ist:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Tapa_(Gericht)

 Mittlerweile habe ich auch herausgefunden, was hier in Andalusien die typischen Tapas sind

 * Salmorejo: eine kalte Suppe, die oftmals mit Gazpacho verwechselt wird. Salmorejo wird im Gegensatz zu Gazpacho allerdings ohne Gurke oder Paprika, dafür mit mehr Brot zubereitet, weswegen sie deutlich dickflüssiger ist. Manchmal wird sie auch mit kleingeschnittenem Serranoschinken und hartgekochtem Ei serviert. Mein absoluter Favorit!

 * Ensaladilla Rusa: Gleicht eigentlich dem Russischen Kartoffelsalat, hier werden manchmal noch kleine Gambas oder Thunfisch dazugemacht. Und ich vermute mit noch viel mehr Mayonnaise...

 * Espinacas con Garbanzos: Spinta mit Kichererbsen - ein traditionelles Gericht aus Sevilla.

 * Montaditos: Das sind kleine getoastete Brötchen, die mit allem möglichen belegt werden – Serranoschinken, Ziegenkäse mit Pesto, Thunfisch, Sardellen, Chorizo...

 * Bacalao: Ein Fisch, der entweder frittiert oder in einer Art Tomatensauce mit viel Knoblauch zubereitet wird.

 

Vielleicht können jetzt einige verstehen, warum ich Spanien für seine Küche so liebe! Lachend

 

Aber zurück zu meinem Córdoba-Wochenende:

Am Freitag Abend gingen Hannah und ich aus, ins Zentrum der Stadt. Wie ich erwartet hatte, tummelten sich abends um elf dort noch sehr, sehr viele Menschen. Aber nicht nur Jugendliche, sondern auch Familien mit Kleinkindern oder Grüppchen von Senioren über 70! In Deutschland sehe ich letztere abends leider so gut wie gar nicht zusammen draußen sitzen. Danach ging es in einen Club, in dem ich gleich mal den neuen Superhit der Spanier kennenlernte:

 

 

Am Samstag Morgen machten wir uns ein typisch spanisches Frühstück: Pan con tomate - getoastetes Brot mit Olivenöl und pürierte Tomanten mit Salz. Sobald sich unsere WG einen Mixer gekauft hat, werde ich das morgens auch frühstücken. Ist einfach mal eine Abwechslung zu dem süßen deutschen Frühstück!

Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es in die Stadt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Ich konnte mich noch an die meisten Sachen von meiner Andalusien-Rundreise von 2009 erinnern. Córdoba ist vor allem bekannt für seine Mezquita, eine ursprüngliche Moschee aus dem 8. Jahrhundert, die während der Reconquista im 13. Jahrhundert zur römisch-katholischen Kathedrale geweiht worden ist.

 

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die römische Brücke, die schon 45 v. Christus erbaut wurde.

 

Abends sahen wir uns einen Film von einem der bekanntesten aktuellen Regisseure Spaniens an – Pedro Almodóvar. Sein neuer Film ist gerade sehr weit oben auf der spanischen Hitliste. Für mich als Fan Almodóvars war klar, dass ich diesen unbedingt sehen muss. Er kann alles – von Komödie über Thriller und schafft es dabei auch noch aktuelle Themen oder die spanische Geschichte (wie den Franquismus) aufzugreifen und gleichzeitig Probleme Spaniens ironisch darzustellen. Will man die spanische Kultur kennenlernen, gehört auch dazu sich einen Film von Almodóvar anzuschauen. Um einen Vorgeschmack zu geben, hier zwei Trailer von seiner aktuellen Komödie „Fliegende Liebende“ und seinem Thriller „Die Haut, in der ich wohne“.

 

 

Am Sonntag fuhr ich wieder in mein vertrautes Sevilla. Ich muss sagen, Córdoba ist zwar eine sehr schöne Stadt (wie alle Städte Andalusiens), allerdings gefällt mir Sevilla besser. Sevilla ist einfach größer (schließlich war sie mal die Hauptstadt Spaniens), lebendiger und es gibt mehr zu sehen. Trotzdem lohnt sich eine Reise!

Zurück in Sevilla lernte ich am Donnerstag Abend neue spanische Freunde von Nathan kennen. Wir gingen alle zusammen in die Stadt, um ein Bier zu trinken. Antonio erklärte uns, dass sich jeden Donnerstag in der Nähe des Platzes Alfalfa eine Menge Leute treffen, Bier trinken, reden – wie Botellón. Obwohl ich jetzt schon einige solcher Versammlungen miterlebt habe, bin ich immer noch beeindruckt wie viele Leute tatsächlich auf so einen kleinen Platz passen. Mit Antonio und seinen Freunden diskutierten Nathan und ich das spanische Unisystem. Auslöser dafür war, dass ich mittlerweile schon mehrere spanische Jugendliche über 25 kennengelernt habe, die trotz Studium tatsächlich keine Arbeit finden. Man hört zwar in den Nachrichten davon, dass 60 % aller Erwachsenen unter 30 Jahren in Spanien keine Arbeit haben. Aber Menschen kennenzulernen, denen es tatsächlich so geht, ist dann doch was anderes...

 Am nächsten Morgen, Freitag 11.Oktober, fuhr ich dann schon nach Marokko. Da ich dort natürlich auch vieles erlebt habe, werde ich darüber einen getrennten Bericht schreiben, der im Laufe dieser Woche mit vielen Bildern auch online kommt. Seid gespannt auf meine Erfahrungen aus Afrika!

Noch ein Hinweis: Ich habe zu meinem letzten Blogeintrag noch ein paar Bilder hinzugefügt. Das hatte zuvor leider nicht funktioniert. Also schnuppert nochmal rein! Lächelnd

 

Hasta luego, eure Lena!

Samstag, 28.09.2013

Achtung! Welle!

Die Zeit seit meines letzten Berichts ist wie erwartet ziemlich schnell vergangen, bin ich nun schon bald zwei Wochen hier in Sevilla. In den letzten Tagen habe ich neue Erfahrungen gemacht und wunderschöne Sehenswürdigkeiten und Natur gesehen.

Nachdem Hannah am letzten Mittwoch Abend nach Córdoba abgereist ist, habe ich mich am Donnerstag noch einmal selbst auf den Weg gemacht und die Stadt à la Touristenart erkundet. Hier einfach mal ein paar Bilder, um euch einen Eindruck dieser wirklich außergewöhnlichen Stadt zu bieten. Besonders beeindruckend sind die Gebäude, die durch den maurischen Einfluss neben der typisch spanischen Bauart etwas ganz eigenes mit sich bringen.

Vor allem die Giralda ist das absolute Wahrzeichen Sevillas. Sie ist der Glockenturm der Kathedrale von Sevilla, welche zunächst als Moschee erbaut worden ist. Um den Platz vor der Kathedrale tummeln sich jeden Tag sehr schöne Pferdekutschen, deren Kutscher insbesondere den Touristen eine exklusive Stadtrundfahrt anbieten wollen. Nicht selten werde ich von ihnen auf Englisch angesprochen, schließlich bin ich ja blond ;-) Leider ist das immer wieder eine Sache, die mich stört. Hat man blonde Haare und etwas hellere Haut wird man sofort als TouristIn oder zumindest AusländerIn angesehen. Deswegen ist es ab und zu leider schwer sich als wirklicher Bewohner dieser Stadt zu fühlen. Oft erwische ich mich selbst dabei, wie ich versuche ein gewisses Verhalten, sevillanische Floskeln oder allgemein die andalusische Aussprache anzuwenden, um mich als Bewohner Sevillas zu etablieren, wenn es auch nur ein paar Monate sein werden. Unbewusst habe ich schon ein wenig die andalusische Aussprache angenommen. Doch ich denke, irgendwann muss auch ich einsehen, dass ich trotz eines guten Spanisch so schnell keine Sevillanerin werden kann, sondern sich das nur über Monate oder Jahre hinweg entwickeln kann. Nun ja, ich hätte mir zumindest wohl doch die Haare braun färben sollen ;-)

Zurück zu den Fotos.

Darunter ist auch ein Bild vom Fluss Guadalquivir, sowie der Brücke „Puente de Isabell II“, einer der zwei Brücken, die das Stadtviertel „La Triana“ (in dem ich wohne) mit dem Zentrum verbindet. Für mich wird Sevilla erst durch den Fluss zu einer Traumstadt. Er lockert die Stadt auf, gibt ihr ein gewisses Urlaubsfeeling und lädt zu vielen Freizeitbeschäftigungen ein. Ob Tretboot fahren oder Paddeln, eines der beiden Dinge werde ich auf jeden Fall noch ausprobieren! Drückt mir Daumen, dass ich nicht kentere!

Am Freitag beschloss ich mein Touristenprogramm fortzusetzen und besuchte den Königlichen Alcázar von Sevilla, ein Königspalast mit großem Garten. Er stammt auch aus der maurischen Zeit und wurde im Mittelalter noch erweitert. In diesen Gebäuden wurden unter anderem die Expeditionen von Christoph Kolumbus vorbereitet und überwacht. Ich erfuhr, dass die vielen angelegten Wasserbecken ein wichtiges Element der islamischen Architektur darstellen. Generell bedeutet die Besichtigung dieses Ortes Eintauchen in eine ganz andere Welt. Ich hatte mir wissentlich eine gute Zeit ausgesucht (später Nachmittag), um die Touristenmassen zu umgehen.  Da das relativ gut geklappt hatte, konnte ich diese Anlage wunderbar genießen und zusätzlich sind ganz gute Fotos entstanden:

Am Freitagabend erlebte ich mein erstes Botellón. Und es ist wirklich ein Erlebnis. Botellón ist ein typisch spanisches Phänomen, bei dem man sich auf der Straße oder auf einem Platz trifft und etwas miteinander trinkt und Zeit verbringt. Ich stellte mir das eher wie das deutsche „Vortrinken“ vor, bevor man in einen Club geht. Aber es ist wirklich wie ein Teil der spanischen Kultur, ein ganzes Abendprogramm. Nathan, Rosa und ich verabredeten uns also mit einem spanischen Freund Luis und dessen Arbeitskollegen, Verwandten und Freunden am Platz „Alameda“.

Doch was sich dort bot, glich eher einer riesigen Versammlung, statt einem gemütlichen Zusammensitzen mit Freunden. Ich hab schon lange nicht mehr so viele Menschen auf einem Platz gesehen. Um den Platz herum befinden sich kleine Bars, in denen man sein Getränk holt (im besten Fall ein Bier von Cruzcampo für 1,20 €), um dann wieder auf den Platz zu gehen und sein Grüppchen zu suchen. Dank Nathan und Luis lernte ich an dem Abend sehr viele SpanierInnen kennen und ging schließlich auf Spanisch denkend ins Bett. Ich finde, dass ist immer ein sehr gutes Zeichen dafür, dass man auf dem besten Weg ist, die Sprache zu verinnerlichen und sich verbessert. Auch wenn es oftmals schwierig ist, sich auf Spanisch so auszudrücken, wie man es gerne auf Deutsch tun würde, versuche ich möglichst keine Ausnahmen zu machen. Schließlich will ich am Ende meines Auslandssemesters besser Spanisch sprechen!:-)

 

Programm am Sonntag war ein Ausflug an einen der schönsten Strände Portugals namens Playa de la Marina, etwa zwei Stunden von Sevilla entfernt. Nach den Stränden in Cuba und Sri Lanka, war dies wirklich einer der unglaublichsten Strände, die ich jemals gesehen habe. Es war kein kilometerlanger Strand, an dem sich dutzende von Bräunungswillige nebeneinander von der Sonne brutzeln lassen, sondern eine kleine abgelegene Bucht. Es fühlte sich an wie ein Privatstrand!

Leider hatte dieser Privatstrand auch seine Macken. Er lag nämlich am Atlantik und somit verursachte uns Ebbe und Flut zum Ende unseres Aufenthaltes ziemlich Herzklopfen. Schon zu Beginn mussten wir uns damit anfreunden, dass wir aufgrund des näher kommenden Wassers bis 20 Uhr in der Bucht eingeschlossen sein würden. Allerdings leider wollte sich das Meer auch nach dieser Uhrzeit nicht mehr zurückziehen. Doch die Rückfahrt drängte! Schließlich blieb uns nichts anderes übrig als zu pokern: Abwarten bis das Meer für kurze Zeit ein wenig ruhiger wurde, die letzte große Welle an den Felsen abprallen lassen und dann durch das Wasser rennen, so schnell man konnte. Denn wäre man von einer der tobenden Wellen erwischt und an die scharfen Klippenkanten geknallt worden, wäre nicht nur man selbst und alle seine Sachen wie Kamera, Handy und Geldbeutel durchnässt gewesen, sondern das hätte dazu auch noch ziemlich weh getan. Doch das Atlantik hatte erbarmen mit uns und alles ging gut. Aber da hatte ich für kurze Zeit ziemlich weiche Knie ;-)

 Ab Montag ging dann eigentlich die Uni los. Eigentlich. Aber wie ich es mir schon vor meiner Ankunft in Spanien dachte, ist das hier eher nicht so organisiert wie in Deutschland. Vielleicht ist das auch nur bei uns Erasmus-Studenten so, jedoch fehlt es hier eindeutig an Information und rechtzeitiger Planung. Da ich nach einer Woche Uni immer noch keine feste Zusage für meine ausgesuchten (und wegen eben erwähnter fehlender Information oft gewechselter Kurse) bekomme hatte, beschloss ich einfach mal in ein paar Vorlesungen zu sitzen und mir das ganze anzuschauen. Letztendlich läuft jeder Kurs so ziemlich gleich ab: Der Dozent hält bisschen mehr als eine Stunde einen Vortrag über das entsprechende Thema und die Studenten schreiben bestenfalls mit kleinen Laptops jedes Wort mit. Für mich als keine spanische Muttersprachlerin ist das ganz schön anstrengend, aber auch eine Erfahrung wert. Ich muss jedoch auch sagen, dass ich das Studiensystem meines Studiengangs in Freiburg schon ein bisschen vermisse, da wir dort viel mehr in die Seminare miteinbezogen und gefo(e)rdert werden.

Aber wie ich auch schon vor meiner Anreise sagte: Ich werde hier zwar auch brav studieren, aber mein Hauptziel dieses Auslandssemesters sind andere Dinge als perfekte Noten. Nämlich soviel wie möglich von Andalusien und der Kultur sehen und mein Spanisch verbessern. Marokko bereisen und einfach lernen eine zeitlang von Zuhause weg zu sein und noch selbstständiger zu werden. Lernen Krisensituationen alleine zu meistern und mich selbst besser kennenzulernen. Denn ich finde, all das bringt mir in meiner Zukunft mindestens genauso viel wie herausragende Noten. Wenn nicht noch mehr.

 

 

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!

Und dann mit einem Bericht über meine Reise nach Córdoba. ;-)

 

Mit meinen zwei Mitbewohnern McKlane und Nathan.
Mittwoch, 18.09.2013

Sevilla - Der Anfang

Hallo alle zusammen!

Mittlerweile bin ich mehr oder weniger schon 3 Tage in Sevilla. Und diese andalusische Stadt ist immer noch so wundervoll, wie ich sie in Erinnerung hatte. Aber erstmal der Reihe nach.

Meine AirBerlin-Maschine Richtung Spanien verließ pünktlich um 12.10 Uhr den Söllinger Flughafen. Es war mal wieder ein Genuss hauptsächlich mit Rentnern und feierfreudigen Männergruppierungen nach Palma de Mallorca zu fliegen. Da war ich doch ziemlich froh, dass dort noch mein Flug nach Sevilla ging, weit weg von Ballermann, Junggesellenabschieden und schimpfenden Rentern ;-)

Im Flieger Richtung neue Heimatstadt übte ich mit meinen Sitznachbarn mal gleich wieder die ersten Sätze auf Spanisch zu sprechen. Zwei mallorquinische Brüder, von denen schicksalhaft einer ein besonderer Mensch war (mir gefällt die Bezeichnung „behinderter Mensch“ ganz und gar nicht, deswegen nenne ich sie lieber „besonders“, denn das sind sie allemal!). Es war wieder so schön anzusehen, wie sehr sich dieser besondere Mensch darüber gefreut hat, dass ich mit ihm und seinem Bruder ein ganz normales Gespräch beginne – und dann auch noch auf Spanisch! Die Zeit verging also wie im Fluge.

Am Gepäckfließband schickte ich Stoßgebete in den Himmel, dass Air Berlin es doch bitte geschafft haben sollte, meinen Koffer von Karlsruhe über Palma weiter nach Sevilla zu leiten. Und tatsächlich hatte ich Glück!

Vom Sevillanischen Flughafen aus fuhr ich mit dem Bus in die Innenstadt und stieg am berühmten „Torre del Oro“ (der goldene Turm) aus, um von dort laut Ratschlag des wirklich netten und bemühenden Busfahrers zu meiner WG zu kommen. Einigermaßen hatten ich den Weg noch von der Zeit im Kopf, als meine Schwester hier ihr Auslandssemester gemacht hatte. Ich muss sagen: ich mag diese Wohnung wirklich! Super zentral (es sind zu Fuß etwa 15 Minuten ins Zentrum), meine Ansicht nach in einer sicheren Gegend, mein Zimmer ist perfekt Mein Zimmerund mit den Mitbewohnern habe ich auch Glück. Das sind: Nathan aus Ohio, McLane aus Brasilien (er nennt sich nur beim Nachnamen, da er mit Vornamen leider Adolf heißt) und Rosa aus Finnland. Vor allem mit Nathan verstehe ich mich sehr gut. Obwohl er aus den USA ist, besteht er darauf auf Spanisch zu sprechen, was mir absolut recht ist! So ziehen wir das ziemlich gut durch, was uns beiden viel bringt und viel Spaß macht. Nathan ist ein sehr lustiger, unternehmungsfreudiger und angenehmer Mensch – sozusagen perfekt für mich. Angenehm ist er vor allem deshalb, da er so gar nicht auf Frauen steht und das ist ziemlich entspannend! 

Zurück zu meinem Ankunftstag. Kaum hatte ich begonnen mein Zimmer im Lena-Stil einzurichten, kamen Nathan und McLane. Ziemlich schnell war das wichtigste geklärt und wir beschlossen meinen ersten Abend in Sevilla gebürtig zu feiern. Ich wurde also in eine Tapas-Bar geführt, direkt am Fluss - der mitten durch Sevilla fließt- und wir bestellten die ersten Tapas meines Auslandssemesters. Ich liebe Spanien vor allem wegen seiner Tapas – kleine Portionen spanischer Spezialitäten, perfekt für alle, die sich nur schwer für ein Essen entscheiden können (wie ich) und perfekt zum teilen. So wurden uns beste Tapas aufgetischt: gebratene Chorizo, Gambas en aioli, kleine Schweinesteaks und Kartoffeln in Sherry-Sauce, Meeresfrüchtesalat und vieles mehr. Nach einer Zeit wurde es direkt am Fluss doch ziemlich kalt und die Kellner machten auch den Eindruck, als wären sie froh, wenn wir bald gingen, was mich überraschte. Schließlich war es erst zwölf Uhr, also noch relativ früh für spanische Verhältnisse. Um 9 Uhr wird gefrühstückt, um 10 Uhr gearbeitet, um 14 Uhr gibt es die Siesta während der alle Geschäfte bis 17 Uhr geschlossen haben und zu Abend gegessen wird etwa gegen 23 Uhr. Die Nacht ist lang, der Schlaf dafür kurz, aber deswegen gibt’s ja die Siesta. Meiner Meinung nach im Sommer bei 45°Grad trotz Klimaanlagen vielleicht sinnvoll, im Winter jedoch nur reine Tradition. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es hier nachts schon so kalt wird. Tagsüber haben wir noch bis zu 38°Grad, abends ist es dafür umso frischer. Aber hier wird es eben auch bald „Winter“ ;-)

Am zweiten Tag meines neuen Sevilla-Lebens kam uns eine Freundin von Nathan besuchen – Hannah, auch aus Ohio. Nachdem ich vormittags und einen Großteil des Nachmittags gefühlt durch fast ganz Sevilla gelaufen und gefahren bin, um mir eine Prepaid-Karte für mein Handy zu kaufen und mich an der  Universidad de Sevilla zu immatrikulieren, kam mir der Vorschlag der zwei, gemütlich in einer bekannten und beliebten Tapas-Bar Abend zu essen, sehr gelegen. Zusammen mit einem Spanier namens Xavi lebten wir das spanische Leben mit Einstiegsbier an der Bar und umwerfenden Tapas – und langes Warten auf einen freien Tisch. Da Xavis Mutter aus München kommt, er jedoch nur die „wichtigsten“ deutschen Wörter spricht, wurde gleich mal geklärt, welche das denn sind. Es ist immer wieder lustig, welche deutschen Wörter im Ausland (in dem Fall für Amis und Spanier) am bekanntesten sind: Oktoberfest, Wiener Schnitzel, Prost und Bier. Ziemlich ernüchternd für mich als Deutsche. Doch trotzdem ein lustiger Abend mit neuen, internationalen Freunden.

Für heute, den dritten Tag, hatten Hannah und ich Pläne geschmiedet, da Nathan bis in den Nachmittag arbeiten musste. Die Ziele waren klar: zuerst in der Stadt mit chocolate con churros frühstücken und danach sollte ich Hannah die wichtigsten Orte Sevillas zeigen. Doch schon zu Beginn wurden wir bitter enttäuscht. Ich hatte erwartet an jeder Ecke zum Frühstück die typisch spanischen Chocolate con churros (dickflüssige, warme Trinkschokolade und frittierte Gebäckstangen)  zu bekommen, doch dem war leider nicht so. Also begnügten wir uns mit echtem sevillanischem Frühstück: Café oder Orangensaft mit getoastetem Brötchen und bestem Serranoschinken. Bisher haben mich hier auch die günstigen Essenspreise überrascht. Für einen Café mit toastada und Marmelade hat Hannah nur 2 Euro gezahlt! Danach ging es weiter, quer durch die Stadt, um Hannah einige Wahrzeichen Sevillas zu zeigen. Da wäre zum einen den bereits erwähnten Torre del Oro am Fluss Guadalquivir  und die Kathedrale, die sich mitten in der Innenstadt wie aus dem nichts präsentiert  Zu mehr kamen wir leider nicht, aber es werden auf jeden Fall mehr Fotos folgen!

Den Rest des Tages verbrachte ich mit einkaufen im nächstgelegenen Supermarkt, lustigerweise im deutschen Lidl. Nun sitzen Nathan und ich hier in unserem Wohnzimmer, während ich diesen langen Bericht schreibe und Nathan „Dos hombres y medio“ schaut („Two and a half men“). Ja, die Spanier übersetzen jede Serie in ihr geliebtes Spanisch. Später machen wir uns noch spanisches Abendessen – Tortilla mit Chorizo, dazu Oliven und deutsches Bier aus dem Lidl ;-)

Saludos y besos desde Sevilla!

Eure Lena.